Das gehörte zu den wichtigsten Erkenntnissen des Aktionstages der Migrationsberatungen im Kreis Unna.
Berater/innen, Vorstände und Migrant/innen schilderten beim Aktionstag die Arbeit der Migrationsberatungen für Erwachsene, der Jugendmigrationsdienste und der Integrationsagenturen im Kreis Unna. Insgesamt 10,7 Stellen stehen für diese Dienste im gesamten Kreis zur Verfügung, getragen vom Multikulturellen Forum e.V., dem AWO-Unterbezirk Ruhr-Lippe-Ems und dem Caritasverband für den Kreis Unna e.V.
Im Jahr 2025 unterstützten allein die Berater/innen der Caritas und des Multikulturellen Forums 1234 Migrantinnen und Migranten sowie weitere 571 mitberatene Personen. Darunter auch Lesia Ivzhenko aus der Ukraine. Sie berichtete, wie sie anfangs so ganz ohne Deutschkenntnisse und Wissen über die deutsche Bürokratie vor einem Berg von Aufgaben stand, der nicht zu bewältigen erschien. Mit Hilfe der Migrationsberatung baute sie sich Schritt für Schritt ein neues Leben in Deutschland auf. "Das hat Jahre gedauert, aber heute sind wir glücklich und dankbar", erklärt die 49-Jährige, die nun ohne finanzielle Unterstützung ihre kleine Familie ernährt.

Doch solche Integrationserfolge sind in Gefahr. Abgesehen von der ohnehin jährlich in Frage stehenden Finanzierung durch Bund (Migrationsberatung für Erwachsene und Jugendmigrationsdienst) und Land (Integrationsagenturen) steht nun die Forderung im Raum, Migrationsberatungen grundsätzlich auf drei Jahre zu begrenzen.
"Das geht an der Realität vorbei", erklärte Ralf Plogmann, Vorstand des Caritasverbandes, beim Aktionstag den teilnehmenden Politikern aus Bundestag, Landtag und dem Kreis. "Integration braucht länger, das wissen wir aus der Praxis", so Plogmann. Ohnehin sei die Finanzierung inzwischen kaum noch zu stemmen, denn die Träger müssten zehn Prozent der Personalkosten und einen großen Teil der Sachkosten schon jetzt selbst tragen. "Das werden viele Träger nicht lange durchhalten", so der Caritas-Vorstand.
Agnes Yavari, Fachbereichsleiterin beim Multikulturellen Forum, erklärte: "Es ist ein Trugschluss, dass Kürzungen bei Beratungsstellen Geld einsparen. Das Gegenteil ist der Fall - Integrationsarbeit lohnt sich nicht nur menschlich, sondern auch finanziell."
Auch Christine Scholl, Geschäftsführerin des AWO-Unterbezirks Ruhr-Lippe-Ems, kritisierte die anhaltende Unsicherheit bei der Finanzierung der Angebote: "Die stetige Unsicherheit bei der Finanzierung der Migrationsdienste wird den Herausforderungen einer vielfältigen Gesellschaft, für die wir uns einsetzen, nicht gerecht. Wer Integration erfolgreich gestalten will, braucht verlässliche Strukturen statt ständiger Debatten über die Zukunft bewährter Angebote."

Die eingeladenen Politiker/innen Oliver Kaczmarek (MdB), Hartmut Ganzke (MdL) und Susanne Schneider (MdL) signalisierten Verständnis. "Die bestehenden Strukturen bei den Trägern sind so angespannt, dass die Gefahr besteht, sie nicht mehr halten zu können", so Oliver Kacmarek. Dabei sei Prävention auch viel günstiger als Nachsorge.